Thomas Andreas Beck

Utopische Realisierungen

 

Unser Verständnis von einer »Wirtschaft der Freude«

Die WdF ist eine von Menschen aus der Wirtschaft und anderen Bereichen der Gesellschaft (EntscheidungsträgerInnen aus der Politik, Zivilgesellschaft) getragene Initiative, die an den Voraussetzungen für ein nachhaltiges und ganzheitliches Wachstum unserer Gesellschaft arbeitet. Dies bedeutet eine Unterstützung von Veränderungen existierender Strukturen, sowohl auf der Mikro‐ (Bewusstsein, persönliche Entwicklung), als auch auf der Makroebene (Rahmenbedingungen, Gesetze, Regeln, etc.). Die  WdF  ist  die  ökonomische  Variante  des  Konzeptes  des  guten  Lebens,  entstanden  als  Antwort  auf  die  multiplen  Krisen  des  21. Jahrhunderts.  Diese  verlangen  Wirtschaftsformen,  Entscheidungsprozesse  und  Leadership einer neuen Form.

Nachhaltiges  Wirtschaften  und  die  Erfüllung  der  Menschenrechte  sind  Grundlage  der  WdF  und  darüber  hinaus  unterstützt  sie  das  persönliche  Erblühen  der  Menschen  (»human  flourishing«,  das  auch  ein  wichtiges  Ziel  des  Berichtes  »Prosperity  without  Growth» von  Tim Jackson ist).  Die  WdF  ist  eine  Form  des Wirtschaftens, die sich der  Begrenztheit der natürlichen  Ressourcen  bewusst  ist  und  auf dieser Grundannahme Entscheidungen trifft.

Durch höhere Verwirklichungschancen steigern  die  Menschen die Möglichkeiten  ihre  Bedürfnisse  zu  erfüllen.  Durch  die  Erfüllung  der  grundlegenden,  menschlichen  Bedürfnisse  kann  eine hohe Lebensqualität ermöglicht werden.  WdF  bedeutet,  die  Angst  vor  der  Konkurrenz  soweit  zu  überwinden,  dass  aus  dem  Vertrauen  in  die  Fülle  („es  ist  genug  für  alle  da“)  mit  anderen  die  bestmögliche  Lösung  ko‐kreativ  entwickelt  wird.  Weg  vom  Konkurrenz‐  über  das  Kooperations‐  hin  zum  Ko‐Kreationsprinzip.  Die  Art  der  Zusammenarbeit  ist Kooperation,  in  welcher  Wettbewerb  insofern  erwünscht  ist,  als  er  auf spielerische  Art  die  Kreativität,  das  Wohlergehen  (und  infolge  die  Freude)  aller  am  Wirtschaftsprozess Beteiligten erhöht.

In einer WdF wird das Sozialkapital erhöht, als eine von fünf wichtigen Kapitalformen. Der Fokus liegt  nicht mehr auf dem Finanzkapital, sondern alle Kapitalien sind in ihrem Zusammenspiel wichtig.  Durch die Betonung einer von Beziehungen getragenen Wirtschaft anstatt einer auf quantitatives  Wachstum ausgerichteten, ist anzunehmen, dass in Zeiten von Wachstumsschwäche, die WdF  schneller ins Leben kommen kann und weniger Wachstum kein Hindernis sondern einen Treiber darstellt. Durch diese Haltung werden (soziale) Innovationen möglich, die bestimmte Teile der  Wirtschaft sogar unterstützen, nämlich solche die Ressourcen schonen, qualitative hochwertige  Produkte herstellen und ein anderes (weniger materielles) Konsumverhalten unterstützen. Das Wirtschaftssystem wird weiter entwickelt hin zu einem nachhaltigen Niveau, das die Freude nährt  und damit die Lebensqualität erhöht.

Erfolg  in  einer  WdF  drückt  sich  darin  aus,  dass  UnternehmerInnen  und  deren  Unternehnmen »gesund« sind und darüber hinaus einen Mehrwert darin erzeugen, dass sie sich auf das Gemeinwohl  jetzt  lebender  und  zukünftiger  Generationen  ausrichten.  Dadurch  verändert  sich  der  Blick  auf  den  Gewinn, der mehrere Dimensionen bekommt. Es gibt bereits Ansätze, die den Grundgedanken der WdF (die wie ein integratives Dach über diesen  Bewegungen gesehen werden kann) entsprechen, wie z.B. Solidarische Ökonomie,  Gemeinwohlökonomie, »gift economy«, etc. Diese und andere Ansätze sollen im Sinne der WdF zusammengeführt und zu einem »anderen Wachstum«, das zu mehr Fülle auf allen Ebenen  (gemeinschaftlicher, emotionaler und geistiger Ebene) führt, beitragen.

(Auszug aus dem WdF-Policy Paper Herbst 2011. Autoren: Ines Omann, Johannes Kaup, Thomas Andreas Beck)

 

http://wirtschaft-der-freude.org

 

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